Hügellandschaften, grüne Wiesen mit schwarzweißen Kühen und mittendrin eine Trachtengruppe, die glücklich vor dem zerklüfteten Hintergrund der schneebedeckten Alpen jodelt. Das ist eine typische Postkartenansicht aus der Schweiz. Aber wie wäre es mit einer Brise hedonistischem Anarcho-Pop oder jazzigem Folk-Rock?

Das Alpenland am Matterhorn verfügt über eine lebendige Musikszene, doch im Ausland wird sie weitgehend ignoriert. Eine neue Welle von „Zeitgeistmusikern“ will aus dem kleinen, fragmentierten Schweizer Musikmarkt ausbrechen. Es gibt etwa 100 Bands, die international aktiv sind. Dennoch ist der Durchbruch einer Schweizer Gruppe auf dem Weltmarkt eher selten. Einige Bands, die es trotzdem geschafft haben sind das einflussreiche Electronik-Duo Yello, die Industrial-Rockgruppe Young Gods und die 80er-Hardrocker Krokus. DJ Bobo, der weltweit Millionen von Alben verkauft, ist er wohl der erfolgreichste Schweizer Pop-Künstler.

Sprachbarrieren der Popmusik

Aber warum ist es für Schweizer Interpreten so schwer? Ein Grund ist die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz. Die deutsch-schweizerischen, französisch- und italienischsprachigen Kantone haben alle ihre eigene kulturelle Identität und auch der Musikmarkt entspricht diesen drei Regionen. Professionelle Musiker können sich meist nur auf dem wichtigen deutschsprachigen Markt behaupten. Die Schweiz ist daher in erster Linie ein Musik-Importeur. Große Musik-Labels bevorzugen Tracks aus dem Ausland und nehmen lokale Künstler eher selten auf. Sollten sie es dennoch tun, dann wird das Mainstream-Publikum des Landes anvisiert. Pop- und Rockkünstler wie Gölä, Florian Ast oder Baschi singen Mundart-Rock, der zwar in der Schweiz sehr beliebt ist, aber nirgendwo anders verkauft wird.

Die Musikbranche der Schweiz hat sich in den letzten Jahren verändert. Bands haben ihren musikalischen Minderwertigkeitskomplex verloren, sind professioneller geworden und gehen das Risiko ein, international aktiv zu werden. Es sind die unabhängigen Labels, die versuchen, ihre Künstler einem internationalen Publikum näherzubringen. Auch diese sind in den letzten Jahren professioneller geworden, sodass mehr und mehr Schweizer Bands im Ausland Gehör finden. Mit 100 Bands in der Pipeline, könnten auf Europas Musikfestivals bald einige Gruppen mit dem Kürzel „CH“ hinter ihren Namen auftreten.